Seelensucher statt Generation Y – Von der Kunst den richtigen Weg einzuschlagen

Die “Generation Y” gilt als ahnungslos und anspruchsvoll. Gleichzeitig setzt sie Impulse für eine neue Arbeits- und Lebensform. Doch hinter dem medial geprägten Begriff der “Generation Y” steckt einiges mehr: der Weg unserer Seele.

von Linda Lorenz

Am Fenster der Eisenbahn ziehen schneebeladene Felder vorbei, Bäume ragen wie Streichhölzer aus dem Boden. Eine junge Frau tippt gedankenverloren auf ihrem Smartphone herum, schiebt und wischt auf dem Touchscreen hin und her auf der Suche nach dem nächsten Reiseziel, einem spannenden Projekt, dem neusten Arthouse-Film. Getrieben von einer steten Unruhe Neues, Einzigartiges und Gutes voranzubringen als auch den Mühen der 40-Stunden-Woche zu entkommen sucht sie nach kreativen Lösungen für ein Leben mit Sinn. Medien bezeichnen diese Sinnsucher und Aufmischer, geboren zwischen 1980 und 1995, als „Generation Y“. Beschrieben wird diese Generation als eine die die Arbeitswelt revolutioniert, sich aus den Zwängen des Hamsterrades befreit und neue Wege geht. Verschrien sind diese jungen Menschen oft als jene die nicht wissen was sie wollen, sich im Kreis drehen, ohne einem konkreten Ziel, die es sich zu einfach machen und sich nicht festlegen wollen. Hinter dieser fadenscheinigen Beschreibung scheint jedoch etwas weitaus Tieferes zu liegen.

Sinnsuche statt Vollzeitjob

Diese Sinnsuche scheint mehr zu sein als eine Flucht, scheint fern zu liegen von bloßer Revolution und der Revolte gegen die Eltern. Es scheint vielmehr ein Suchen zu sein, eine Generation, die tief in ihre Seele zu blicken versucht, ohne je gelernt zu haben wie das geht. Dies kann einerseits mit dem astrologischen Zustand unserer Zeit zusammenhängen – der Übergangszeit zum Wassermann-Zeitalter. Hier bricht der Mensch aus aus starren Konventionen, beginnt Festgefahrenes zu hinterfragen, neue, einzigartige Weg zu gehen. Das Individuum in seiner Einzigartigkeit steht hier im Fokus und sucht nach kreativen Ideen und Nischen für eine alternative Welt. Die Generation Y, die in einen Teil dieser Zeit hineingeboren wurde, gibt sich demnach nicht mehr zufrieden mit gängigen Konventionen. Sie suchen nach mehr als dem, was bisher durch Jahrhunderte des vorprogrammierten Lebensplans von Ehe, Familie, Haushalt und Beruf gesellschaftlich festgelegt wurde. Sie suchen nach dem Weg zu ihrer Seele.

Den Seelenplan finden

Dies erfordert Mut, denn es wurde nie in den Schulen gelehrt und blieb in den gängigen Erziehungsmodellen bisher eher unbeachtet. Um diesen neuen Schritt zu gehen gehört es dazu zu stolpern, sich im Kreis zu drehen, nicht zu wissen wohin, etwas anzufangen und wieder aufzuhören, los zu gehen und wieder umzukehren sowie dann und wann im Netz nach den neusten Alternativen für ein Leben in der Nische zu suchen. Dieses Rondell aus Hinfallen und Wiederaufstehen scheint vielmehr ein Wechsel aus kreativer Ruhe und Unruhe zu sein statt einer stagnierenden Faulheit. Der richtige Weg der hier so beinahe verzweifelt gesucht wird, das richtige Ziel, das richtige Leben zu finden sind Vorreiter einer neuen Gesellschaft. Einer, in der die Seele als Verbindungsglied allen Lebens einerseits und als individuelle Entfaltung des Individuums andererseits die bestimmende Macht ist – fernab von Politik und Religion. Die Seele dient hier als Orientierung für mehr Selbstbestimmung sowie einem Bewusstsein für das große Ganze und spiegelt unser Einssein mit dem Universum wieder. Denn nur wem die Wahrheit der eigenen Seele klar geworden ist kann erkennen wie alles mit allem verbunden ist, kann sich selbst im Anderen sehen und somit eingebrannte Muster des Funktionieren-Müssens sowie die normierten Lebensmodelle loslassen. Mit diesem Befreiungsschlag des Loslassens ist eine freie Entfaltung kreativer Potenziale viel einfacher und beschwingter möglich. Dann ist es egal ob die junge Frau in der Eisenbahn nicht weiß ob sie sich für Lappland oder Kerala entscheiden oder sich für ein Umweltprojekt oder die Kreativwirtschaft einsetzen soll – um die eigene Seele kennen zu lernen geht es genau darum: um das Ausprobieren. Oft ist es nur möglich sich über Ausschlussverfahren seinem Seelenplan anzunähern, gepaart mit den nötigen Stunden der Ruhe und des Innehaltens. Um in uns hineinzuhören und das leise Flüstern der Seele zu hören, das innere Licht zu spüren, welches uns umfängt wenn wir bei einer Tätigkeit im Flow sind und die Zeit vergessen. Etwas, das das innere Kind wieder zum Strahlen bringt und dem Partner mehr Freiraum lässt, weil wir nicht mehr den gesamten Lebensinhalt auf sie_ihn projizieren sondern einen weiteren Sinn unseres Daseins gefunden haben. Bis dahin darf gestolpert, gegoogelt, umgekehrt, aufgewühlt und wieder ausgeruht werden. Denn auch auf der Reise zu unserem Seelenplan ist der Weg bereits das Ziel. (llo)

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