Die Weltenseele – Tor zur Verbundenheit

Die Verbindung zwischen der Seele des Menschen und der Seele des Kosmos nennt man “Weltenseele”. Diese Verbindung führt uns zu Schätzen, die zu erfahren wir nie für möglich gehalten haben. Doch am Anfang steht eine Reise mit oft überraschendem Ausgang.

von Linda Lorenz

Die Weltenseele wird von dem Glück der Menschen gespeist. Oder vom Unglück, von Neid und Eifersucht. Unsere einzige Verpflichtung besteht darin, den persönlichen Lebensplan zu erfüllen. Alles ist ein Ganzes. Und wenn du etwas ganz fest willst, dann wird das gesamte Universum dazu beitragen, dass du es auch erreichst.“

Dieser Auszug aus Paulo Coelhos Buch „Der Alchimist“ birgt eine Weisheit, die jeder Mensch ins sich trägt. Unsere Seele ist Teil des Universums und unmittelbar mit dem Kosmos verbunden, diese Seelenverbindung nennt man „Weltenseele“. Jeder starke Wunsch eines Menschen verbindet sich direkt mit dem Universum, ganz gleich ob dieser Wunsch Gutes oder Schlechtes beinhaltet, er tritt unmittelbar in Resonanz mit dem großen Ganzen und entfaltet seine Wirkung. Nicht immer so, wie wir es uns vorgestellt haben, aber immer so wie es im universellen Sinne richtig für uns ist, um zu wachsen und unsere Seele in diesem Leben so weit wie möglich zu entwickeln, mit dem Ziel das volle Bewusstsein zu erlangen.

Der Weg ist das Ziel

In Coelhos Geschichte träumt Santiago davon als Schafhirte durch die Welt zu ziehen und einen Schatz zu finden, von dem er des Nachts geträumt hat. Sein Wunsch ist so stark, dass er sich auf den Weg begibt, um diesen Schatz zu finden – am Ende erwartet ihn eine Überraschung. Der Schatz ist nicht der, den er erwartet hatte. Doch seine Seele und die Weltenseele verstehen sich blind, das menschliche Ego kann davon nicht alles begreifen, weil es weit über unsere materielle Wahrnehmung hinausgeht. Es geht am Ende nicht um den materiellen Schatz, nach dem sich unser Ego sehnt, sondern um die Erfahrungen, nach denen sich unsere Seele sehnt. Erfahrungen die wir machen, während wir uns auf den Weg eines vermeidlichen Schatzes begeben. So wie Santiago.

Alles ist verbunden – alles ist gut

Doch nicht nur Coelho greift den Begriff der Weltenseele auf, geprägt wurde er ursprünglich von Platon. Er schrieb der „Welt-Seele“, wie er es nennt, etwas beinahe Göttliches zu. Eine Kraft, die die Erde und Natur in Bewegung hält und allwissend und rundum gut ist. Aus yogischer Sicht gehört zur Weltenseele alles, was uns umgibt – uns selbst eingeschlossen. Somit ist auch unsere eigene Seele Teil der Weltenseele.

Wenn nun alles miteinander verbunden ist und ein Ganzes ergibt, gibt es nichts mehr was uns, als menschliche Lebewesen in diesem Universum, ängstigen sollte. Denn dann erhält selbst jedes Chaos, jeder Krieg und jeder Streit seine energetische Richtigkeit. Das große Ziel dieser Energien ist es, Bewusstsein zu schaffen und somit die menschlichen Seelen zu ihrer Entwicklung zu verhelfen. Insofern ist diese rundherum positiv ausgerichtete Weltenseele eine höchste Form der Liebe. Eine Liebe, die jedes menschliche Wesen in sich trägt. Eine Liebe, die voll und ganz unschuldig ist. Selbst, und vielleicht besonders, durch jeden noch so unverständlichen Krieg oder Terroranschlag möchte uns die Weltenseele wieder an diese Kraft erinnern, aus der die Welt gemacht ist. Eine Kraft, die wir, zunächst in uns, wieder aktivieren müssen, um in unsere eigene Kraft zu kommen. Denn erst aus den Schatten heraus erkennen wir das Licht. Wir beginnen, vielleicht während wir die Nachrichten schauen, uns zu fragen: was kann ich tun, um diese Welt ein Stück besser zu machen? Wir besinnen uns dann wieder darauf, was in uns ist, was gut ist und wie wir etwas von diesem Guten in uns in diese Welt tragen können. Selbst wenn es ein Lächeln ist für eine unglücklich wirkende Person an der Supermarktkasse – dann hat die Weltenseele bereits in uns gewirkt, und wir sind dem großen Ganzen und somit unser selbst mit unserer Göttlichkeit ein Stück näher gekommen.

Kettenreaktion auf dem Weg der Erfahrung

Die Weltenseele offenbart sich in einer Kettenreaktion, hin zur Liebe, die nicht selten erst durch widrige Umstände im Privatleben oder dem Weltgeschehen aktiviert wird. Zuerst steht ein einschlägiges Ereignis; ein Traum etwa oder eine Herausforderung, dann erschließt sich daraus ein Wunsch, und wenn dieser tief und klar genug ist, folgen Ereignisse, die uns dazu verhelfen, diesen Wunsch zu erfüllen. Doch dabei darf die eigene Offenheit nicht verloren gehen, ein anderes Ergebnis als das vom Ego assoziierte, in Empfang zu nehmen. Hier gilt es der Weltenseele zu vertrauen. Bei Santiago war es ein Traum, der ihn auf seinen Weg brachte. Es kann aber auch eine schwere Krankheit sein oder eine andere Herausforderung, die unsere Seele auf ihren Weg bringt. Dabei entsteht dann vielleicht der Wunsch nach Genesung oder nach Frieden auf der Welt. Und plötzlich tut man etwas dafür, man liest Bücher, schließt sich Organisationen oder Gruppen an, bemüht sich um den Frieden im eigenen Umfeld oder in sich selbst und probiert viele Dinge aus, um diesem Wunsch gewahr zu werden. Es muss nicht sein, dass sich dieser Wunsch erfüllt, vielleicht muss man mit der Krankheit leben, vielleicht wird es niemals Frieden auf der Welt geben. Doch der Weg dorthin, gesteuert von dem Wunsch der eigenen Seele, der aufgrund seiner Tiefe mit der Weltenseele in Resonanz steht, ist bereits die Erfüllung. Denn nichts lässt die Seele erfüllter werden als eine Reihe von Erfahrungen. Am Ende von Coelhos Geschichte hat auch Santiago nicht den erhofften großen Batzen Geld bekommen. Doch was er auf seinem Weg dort hin erfahren hat, war viel mehr wert als ein paar Goldtaler unter einer Pyramide. (llo)

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